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de 5/2000, Seite 76/77
Integriertes CAD-System für bessere Erträge im Elektrohandwerk
ERNST RICHARD RAABE, Vertrieb Hannappel SOFTWARE

Trotz Kostendruck und Rationalisierungsbestrebungen werden immer noch CAD-Lösungen gekauft, die als reiner Tuscheersatz eingesetzt werden und auch so eingestuft werden müssen. Informationen, die aus CAD-Zeichnungen gewonnen werden könnten und für Kostenkontrolle und Ertragssicherheit stehen, werden nicht genutzt.

Jeder Errichter von elektrischen Anlagen ist nach DIN EN 61082 verpflichtet, zur Abnahme eine Projektdokumentation vorzulegen. Für die Erstellung der entsprechenden Stromlaufpläne und Installationspläne kann man heute CAD-Systeme in allen Preisklassen erwerben. Dies beginnt bei Shareware-Produkten und endet bei den High-End-Systemen.
Mit Hilfe von Blöcken und Makros, mitgelieferten Symbolen, Bauteilen und Geräten kann man die reinen Zeichenaufgaben mehr oder weniger komfortabel lösen. Professionelle Systeme bieten dazu noch Schnittstellen für den Datenaustausch zu anderen Systemen via DXF, DWG, BMP, TIFF oder ASCII-Datei. Dazu kommen Programmierschnittstellen, mit denen man »von außen« Systemfunktionalitäten nutzen kann.
Kein Unternehmen, daß am Markt bestehen will, das effektiv und professionell seine Ausführungs- und Revisionsunterlagen erstellen möchte, wird heute noch ohne ein CAD-Program auskommen.
In die Erstellung von CAD-Dateien wird sehr viel Geld in Form von ManPower sowie Hard- und Software investiert. Die Montage erhält bei Auftragsbeginn, der Kunde nach Abschluß der Zeichenarbeiten einen Papierabzug, bestenfalls eine Austauschdatei.

CAD birgt viele oft ungenutze Potential
Damit ist in den meisten Fällen das Potential der CAD schon ausgeschöpft. Die Vielzahl von Informationen, die in der Datei schlummern, werden nicht gesehen, also auch nicht genutzt. Dabei eröffnet die CAD-Zeichnung Möglichkeiten in der Projektabwicklung, die dazu beitragen können, die Wirtschaftlichkeit erheblich zu verbessern.

Die betriebliche Praxis heute
Betrachten wir doch einmal den Ablauf, wie er heute in der überwiegenden Zahl der Betriebe üblich ist.
Für die Kalkulation wird von Hand (wenn kein Leistungsverzeichnis vorliegt) ein Massenauszug erstellt. Ist der Auftrag dann im Hause, zieht man für die Materialdisposition Schätzmassen heran. Maschinen und Monteure werden auf Grund von Erfahrungswerten geordert und bereitgestellt.
Bei der Abrechnung wird ebenfalls viel Geld verschenkt. Das Aufmaß wird meistens vor Ort ohne Vorbereitung erstellt. Bis zur Erstellung der Aufmaße vergehen Wochen (=Zinsverlust!). Weitere Folgen: Die Monteure nehmen nur die Mengen auf, an die sie sich noch erinnern können. bzw. die noch sichtbar sind. In größeren Bauvorhaben, bei denen mehrere Kolonnen parallel arbeiten, wird die Kontrolle noch schwieriger. Der Bauleiter ist garnicht mehr in der Lage, alle Mengen im Detail zu überblicken. Entweder werden Mengen vergessen, oder man versieht die Mengenermittlung mit Angstzuschlägen, die keiner Kontrolle standhalten.
Eine Kostenkontrolle erfolgt, wenn überhaupt, nach Fertigstellung des Projektes. In der Regel ist dann nichts mehr am Ergebnis zu ändern. Dazu kommen immer häufiger Abzüge und Zahlungsverweigerungen, weil Nachträge nicht rechtzeitig eingereicht wurden oder nicht nachvollziehbar sind, Massenüberschreitungen nicht rechtzeitig dem Bauherrn gemeldet worden sind usw.
Dieser Ablauf, in Verbindung mit gesunkenen Preisen, ist einer der Hauptgründe, warum die Insolvenzzahlen im Elektrohandwerk so hoch sind bzw. immer noch steigen. Dabei kann dieser Teufelskreis ohne zusätzlichen Aufwand durchbrochen werden.
Informationen, die man aus einem professionellen CAD_System erhalten kann, lassen sich dazu nutzen, den gesamten Ablauf vom Angebot zum Auftrag über die Arbeitsvorbereitung bis zur Ausführung effektiver zu gestalten. Es entsteht eine Verfahrenskette, die dazu beiträgt, daß die Kosten- und Ertragssicherheit gewährleistet wird.
In der Industrie bereits Standard, in dem erfolgreichen Handwerksbetrieben längst eingeführt, ist es erforderlich, dass jeder Betrieb über ein Controlling-System verfügt.
Notwendig ist dazu ein System, welches die Informationen aus dem CAD-Programm selektiert und aufbereitet. Dazu genügt es nicht nur, einen Massenauszug automatisch zu erstellen. Die Mengen aus der CAD-Software müssen qualifiziert werden. Das heißt, sie müssen nach Ordnungszahl (Los, Titel, Position), nach Gebäudeteilen (Gebäude, Stock, Raum) und nach Stromkreisen (Verteiler, Stromkreis) sortierbar auszugeben sein. Stehen diese Informationen in einer offenen Datenbank, können sie später für ein Facility-Management-System Verwendung finden

Gesteigerter Ertrag durch richtigen CAD-Einsatz
Der Ablauf mit einem integrierten System ändert sich. Die Informationen, wie oben ausgeführt, werden in jedem Schritt der Auftragsabwicklung verarbeitet. Im Einzelnen sieht die Vorgehensweise jetzt so aus:

Der Auftrag ist Ihrem Hause. Vom Planer werden, soweit vorhanden, die CAD-Daten übernommen. Kommen vom Planer keine Daten, werden die Pläne selbst erstellt. Das integrierte CAD-System ermittelt automatisch die Mengen. Diese Mengen stehen in der oben ausgeführten Weise zur Verfügung. Für den Einkauf werden einzelne Teilmengen ausgegeben und im ersten Schritt als Datei für die Preisanfrage und später für die Materialbestellung zu den Lieferanten geschickt.
Für die eigene Montage und/oder für Subunternehmer kann man Teilabschnitte ausgeben. Die Montage erhält so genaue Daten über den Personalbedarf und die Montagezeiten. Sie kann so das Personal und/oder Subunternehmer besser disponieren.
Über eine Schnittstelle erstellt man eine Balkengrafik für den Bauablauf. Während der Ausführung werden laufend und vor allem kurzfristig Soll-Aufmaße ausgegeben. Diese gehen entweder als Papierdruck oder über ein mobiles Datenerfassungsgerät elektronisch auf die Baustelle. Dort werden sie nur abgeglichen bzw. ergänzt, es entsteht das Ist-Aufmaß.
Beim Einlesen des Ist-Aufmaßes im Büro werden automatisch Positionen, die nicht im LV waren, als offene Positionen markiert. Diese lassen sich wiederum als Nachträge ausgeben. Aus dem Ist-Aufmaß werden Abschlagsrechnungen automatisch erstellt. Dieser Vorgang wiederholt sich bis zur Übergabe des Bauvorhabens an den Bauherren.
Dazwischen kann man zu jeder Zeit einen Soll/Ist-Vergleich erstellen. Das Controlling kann die Mengen (Ist-Aufmaß zu Soll-Aufmaß), die Montagezeiten (Ist-Montagezeiten zu Soll-Montagezeiten), die Kosten (z.B. Wareneinkauf zu Warenkalkulation etc.) usw. jederzeit überprüfen und bei Bedarf frühzeitig korrigierend eingreifen.
Die automatische Dokumentation der einzelnen Bearbeitungsstände stellt sicher, daß man jederzeit jeden Nachtrag und jede Position nachvollziehen kann. Man ist in der Lage, Massen hochzurechnen (wichtig für die Hinweispflicht nach VOB) oder Nachträge mit Ort und Zeitpunkt ihrer Entstehung begründet einzureichen. Aufmaßpositionen können visualisiert werden (in der CAD-Software anzeigen lassen, wo die entsprechende Menge herkommt), und man kann dem Auftraggeber gezielt, unter Angaben von Einzelmassen, Alternativen aufzeigen und durchkalkulieren.

Fazit
Wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg sind also Systeme, die all diese Funktionen als Gesamtlösungen bieten - als integriertes System. Eine CAD-Anwendung alleine ist heute aus den genannten Gründen nicht mehr ausreichend.
Die Investitionen in ein integriertes System zahlt sich innerhalb kürzester Zeit aus. Softwarelieferanten oder Hersteller, die nur CAD als Zeichnungshilfe anbieten, sind hier sicherlich nicht der richtige Ansprechpartner. Gefragt ist ein Berater, ein Consulter, der die Betriebsabläufe analysiert und Sie kompetent berät und auch bei der Einführung begleitet.

»de«-Tip: Darauf sollten Sie beim Kauf eines
CAD-Programmes achten
Eine integrierte CAD-Lösung sollte















die Datenübernahme verschiedener Formate ermöglichen: Im Ausbau hat sich heute das Format DWG und DXF als Standard etabliert. Selbst geschriebene CAD-Kern können in diesem Standard sicherlich nicht genügen. Etabliert haben sich AutoCAD oder FCAD.
die Mengenauszüge qualifizieren: Jeder Artikel muss Positionen zugeordnet werden können, der Ort der Generierung (Gebäude, Stock und Zimmer) muss mit dem Artikel gespeichert werden und die Position (X,Y,Z-Koordinate) muss mit ausgegeben werden. Nur so kann man aus dem Leistungsverzeichnis heraus visualisieren (FM-Fähigkeit).
die Daten in einer eigenen Datei, einer selbstständigen Datenbank speichern: Nur so ist sichergestellt, dass andere Systeme darauf zugreifen können.
Verknüpfungen herstellen können zwischen Auftrags-LV und Symbolen, die im Programm verwendet werden.


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