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building & automation, 04/2002 Einsatz von CAE/CAD-Systemen in der Gebäudetechnik- zentrale Aspekte des Auswahlprozesses und der Systemeinführung
Die Qual der Wahl Ist die Entscheidung zur Rationalisierung durch den Einsatz geeigneter Softwaresysteme getroffen, folgt in der Regel die Phase der Entscheidungsfindung. Hier reichen die angewandten Auswahlstrategien von Spontankäufen bis zu minutiös ausgearbeiteten Tabellen, die eine Gegenüberstellung verschiedener System transparent machen sollen. Da sich der Spontankauf eher für Spielernaturen eignet, die auf Grund Ihrer typischen Charaktereigenschaften mit überrachenden Ergebnissen gut leben können, verdient hier der Systemvergleich per Tabelle eine eingehendere Betrachtung. Neben den bestehenden, technisch begründeten Problemen wie Vergleichbarkeit mehrerer System mit unterschiedlichen Anwendungs-Philisophien und „feature-sets“ (Summe der System-eigenschaften), wird leider oftmals das Kernproblem gar nicht gesehen. Stimmen die geforderten Systemeigenschaften und Arbeitsweisen mit den derzeit ausgeübten Tätigkeiten überhaupt überein ? Da dies oftmals nicht der Fall ist, stellt sich die zweite, weitaus wichtigere Frage: Gibt es für die geplanten Prozess-Umstellungen, bzw. Prozess-Optimierungen eine Strategie ? Mitarbeiter-Akzeptanz Neben den organisatorischen und wirtschaftlichen Sachzwängen bei der Einführung neuer Arbeitsweisen und Werkzeuge verdienen die menschlichen Aspekte einer solchen Massnahme eine besondere Betrachtung. Das Thema „Akzeptanz“ ist bei jeder Software-Einführung in aller Munde, leider wird aber in diesem Punkt oftmals etwas unreflektiert argumentiert. Da der Erfolg einer Softwareeinführung aber bis zu 60% von diesem Faktor abhängen kann, sollte dieses Thema nicht hinter technischen Betrachtungen zurückstehen. Zunächst einmal sind viele Menschen von Natur aus Änderungen gegenüber skeptisch. Fakt ist aber, dass auf Grund der globalen wirtschaftlichen und demografischen Trends auf alle am Planungsprozess beteiligten Mitarbeiter Änderungen zukommen. Während die wirtschaftlichen Gegebenheiten zur Rationalsisierung zwingen und damit entweder eine Veränderung des Tätigkeitsprofils oder den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten, erhöhen die demografischen Veränderungen den Druck zur Qualifizierung und ebenfalls zur Veränderung des Tätigkeitsprofils. Hinter einer mangelnden Akzeptanz gegenüber neuen System verstecken sich also oftmals diffuse Ängste vor diesen Veränderungen. Qualifizierungsmassnahmen Den Bedenken einzelner Mitarbeiter hinsichtlich Überforderung durch die neuen Arbeitsumgebung kann mit professionellen Qualifizierungsmassnahmen begegnet werden. Wichtig ist, das die damit verbundenen Kosten in die Kalkulation mit einfliessen, sie sind unter keinen Umständen vermeidbar. Neben den klassischen Schulungsmassnahmen haben sich in der Praxis sogenannte „Coachings“ bewährt, bei denen ein Fach-Ingenieur des Softwareanbieters für eine bestimmte Zeit in den Arbeitsablauf des Anwenders integriert wird. Dies reicht vom „auf die Schiene setzen“ eines ersten Projektes bis zu projektbegleitenden Beratungs- und Konfigurations/Anpassungs- Leistungen. Daher lohnt es sich für Sie zu prüfen, ob der Anbieter Ihrer Wahl über eine entsprechende Anzahl von Fach-Ingenieuren mit einschlägiger Projekterfahrung in seinem Team verfügt. Die Krux mit den Cracks Eine besondere Stellung nehmen die sogenannten „CAD-Cracks“ innerhalb der Mitarbeiter ein. Diese Mitarbeiter sind in der Lage das CAD-System eigenständig in einem gewissen Umfang zu konfigurieren und Teilaufgaben zu automatisieren (Makro-Programmierung etc.). Diese Mitarbeiter tragen oftmals in starkem Masse zum Meinungsbild über eine neue Software-Umgebung oder zur Entscheidungsfindung selbst bei. Während auf der einen Seite diese Mitarbeiter für die erfolgreiche Systemeinführung von unschätzbarem Wert sein können, bestehen in der Praxis aber auch einige Konfliktpotentiale. Zunächst einmal ist auch hier menschlich verständlich, dass er/sie um seine/ihre Ausnahmestellung fürchtet und mehr oder weniger intuitiv zu den Systemen mit den höchsten „Freiheitsgraden“ tendiert. Effizienzsteigernd ist dagegen aber in wesentlich höherem Mass der erzielbare Automatisierungsgrad. Die Abhängigkeit von einzelnen Personen und die steigenden und sehr unterschiedlichen technischen Anforderungen machen aus der „selbstgestrickten“ Software-Umgebung, auf die man übrigends mit gutem Recht auch ein bisschen stolz sein sollte, ein nicht zu unterschätzendes unternehmerisches Risiko. Rational betrachtet gibt es bei zunehmend intensiv betriebenen Progammierarbeiten etc. im eigenen Haus nur eine sinnvolle Antwort: Outsourcing, Standardisierung. Das eingesetzte Softwaresystem muss auf der anderen Seite in der Lage sein, bereits beim Anwender vorhandene Software-Tools nachzubilden oder sinnvoll zu integrieren. Es bleibt eminent wichtig, die beschriebene Gruppe von Mitarbeitern bei der Systemeinführung mit ins Boot zu nehmen. Keine anspruchsvolle Softwareumgebung kommt ohne Cracks im Unternehmen aus. Administartoren, Key-User etc. bilden das personelle Rückgrat einer gut funktionierenden IT-Infrastruktur. Den Blick auf das eigene Unternehmen richten Wichtigstes Kriterium für die Auswahl eines geeigneten Systems sind nicht die Eigenschaften der angebotenen Software, sondern die Eigenschaften des eigenen Unternehmens. Daher ist es von zentraler Bedeutung sich über bestehende und geplante Arbeitsabläufe Klarheit zu verschaffen: Bildet die Software den Arbeitsablauf ab ? Bietet die Software Vorteile bei diesem Arbeitsablauf (Automatisierung, Standardisierung) Wollen wir unsere bisherige Arbeitsweise ggf. umstellen und welche Vorteile sind damit verbunden ? Wie können diese Umstellungen vermittelt werden (Akzeptanz) ? Wie bereits eingangs angedeutet, kann der Entscheider beim Blick auf die unterschiedlichen Software-Systeme eigentlich nur den Überblick verlieren, spätestens nach einigen Präsentationsterminen, bei denen Sie übrigends auf einem Test mit eigenen CAD-Daten bestehen sollten. Werden Sie sich daher frühzeitig über Ihre Ziele klar und treten Sie mit dem Anbieter in einen Dialog über diese Ziele. Dass der eine oder andere Anbieter eher dazu neigt, ausschliesslich über die Eigenschaften seines Produktes zu sprechen, sollten Sie dabei ignorieren. Allgemeine Systemeigenschaften Wie bereits erwähnt, ist das Vergleichen von Listen von Systemeigenschaften für eine fundierte Entscheidung nicht alleine tragfähig. Immer wichtiger werden neben der fachlichen Kompetenz und ausreichenden wirtschaftlichen Basis des Anbieters allgemeine System-eigenschaften wie Flexibilität und Kompatibilität, sowie die Kontinuität in der Weiterentwicklung der Software. Hinzu kommen die Verbreitung des Systems bei Betreibern, öffentlicher Hand, Unternehmen und Plaunungsbüros, sowie eine kompetente Anwenderbetreueung (Hotline, Support) Flexibilität, Kompatibilität Jedes komplexere Software-System geht intern von einem definierten Workflow aus, also von einer gewissen Reihenfolge der Bearbeitung. Insbesondere in der Baubranche, wo Ausnahmen die Regel sind, ist ein einziges solches internes Prozessmodel aber beileibe zu wenig. Der Flexibilität der Software kommt also eine zentrale Bedeutung zu. Der Anwender muss in der Lage sein, selbst den Zeitpunkt und den Detailierungsgrad seiner Planung weitgehend zu bestimmen. Gibt das System einen statischen, unflexiblen Ablauf vor, ist die Wirtschaftlichkeit von vorneherein nicht gegeben. Und dies nicht nur im Sinne der Refinanzierung der Investition, sondern ggf. auch durch Erhöhung der Kosten. Ein einfaches Beispiel: per CAD wird ein Leuchtensymbol in einer Zeichnung platziert. Um das Leuchtensymbol, das ja mehrere Ausführungsarten grafisch repräsentieren kann (BAP,RW, Hersteller A, Hersteller B, etc.), später materialseitig richtig auszuwerten muss das System noch mit Zusatzinformationen zu dem Symbol versorgt werden. Es gibt tatsächlich Systeme, die diese Informationen direkt beim Einfügen des Symbols in die Zeichnung zwingend forden. Die Unsinnigkeit einer solchen Vorgehensweise, insbesondere in Planungsphasen, in denen viele Details noch nicht feststehen, führen zu Ineffizienz und schlechter Anwenderakzeptanz. Ein weiterer Kernpunkt des Themas Flexibilität ist die Notwendigkeit sich an vorgegebene CAD- und Planungsstandards vollständig anpassen zu können. CAD-Systeme fest mit vorgegebenen Layer-Strukturen, Symbolbibliotheken etc. sind den heutigen Anforderungen überhaupt nicht mehr gewachsen. Ist dies bei einem System der Fall, sollte es bei der Entscheidung nicht berücksichtig werden. Aussagen bezüglich einer kurzfristigen Bereitstellung eines entsprechenden „Moduls“ ist zu misstrauen, die vollständige Implementierung einer CAD-Standard-Unabhängigkeit erfordert in aller Regel ein komplettes Software-Redesign. EDV-technisch betrachtet, können die Anforderungen der Software-Flexibilität und -Kompatibilität nur von objektorientierten, datenbank-gestützen CAE/CAD-Systemen erfüllt werden. Das Basis-System AutoCAD ist in professionellen Projektumgebungen eine Grundanforderung.
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